„Spielen wir nicht die Zurückgezogenen!“2017-02-19T23:19:17+00:00

„Spielen wir nicht die Zurückgezogenen!“

„Spielen wir nicht die Zurückgezogenen!“ Diesen Satz prägte Dr. Arthur Wechselberger, Präsident der Österreichischen Ärztekammer anlässlich der Veranstaltung „Wir sind die Zukunft.“ am 26. November 2016 in der Wiener Urania.

Für mich persönlich sind diese Worte die perfekte Antwort auf zwei Fragen, die ich immer wieder höre wenn es um die Ärztekammer geht. Wozu brauchen wir die Kammer überhaupt? Was bringt mir die Kammer denn eigentlich?

Brauchen wir eine Ärztekammer? Ich denke diese Frage greift zu kurz. Was wir in jedem Fall für unseren Berufsstand brauchen, ist eine Interessensvertretung und in gleichem Maße auch eine Serviceeinrichtung für sämtliche Fragen rund um das Berufsleben.

Was bringt mir die Kammer denn eigentlich? Reflexartig kommt diese Frage in allen Bereichen unseres Lebens wo von uns verlangt wird einen Beitrag zu leisten. Die Bilanz einer Interessensvertretung ist nicht immer ganz eindeutig. Jedes Mitglied hat andere Erwartungen und ähnlich wie im Fußball, wo jeder Teamchef ist, scheint es auch in der Kollegenschaft so zu sein, dass jeder genau weiß wie man gewisse Themen hätte verhandeln müssen oder wie die Kammer hätte nach außen auftreten müssen.

Und genau hier komme ich wieder zum Zitat von Präs. Dr. Arthur Wechselberger zurück: „Spielen wir nicht die Zurückgezogenen!“ Bringen wir die viele Kritik an „der Kammer“ oder an „den Kammerfunktionären“, sei sie berechtigt oder nicht in einem Forum vor, in dem sie auch die Chance hat gehört zu werden. Schimpfen unter Kollegen in der Abgeschiedenheit und Anonymität eines Dienstzimmers ist eine Möglichkeit sich diesem Thema zu widmen. Ich persönlich und die Kolleginnen und Kollegen auf unserer Liste haben sich für einen anderen Zugang entschieden. Wir möchten Farbe bekennen. Wir möchten nicht, dass andere uns gestalten, wir möchten selbst gestalten! Aus den letzten 5 Jahren, in denen ich schon in der Ärztekammer tätig sein durfte kann ich sagen, dass dieser Weg alles andere als einfach ist. Manchmal ist es sogar sehr mühsam. Mühsam deswegen, weil der Apparat einer Kammer in Österreich ein sehr träger sein kann. Mühsam weil die Meinungen unter den Kollegen und Generationen oft sehr weit auseinander liegen. Bei kritischer Selbstbetrachtung muss ich die Frage, ob ich alles umsetzen konnte was ich mit vorgenommen hatte ganz klar mit nein beantworten. All diese Punkte halten mich und uns aber nicht davon ab auch in der nächste Funktionsperiode wieder unseren Beitrag zu leisten. Bei der anstehenden Ärztekammerwahl wird uns Ärzten in Ausbildung erstmals die Möglichkeit gegeben unsere Vertretung in der Kammer selbst zu wählen. Wir stellen eigene Listen und bilden innerhalb der Kammer ein eigenes Gremium. Das sollte Ansporn genug sein, nicht die zurückgezogenen zu spielen sondern uns mit Selbstbewusstsein dieser Aufgabe zu stellen. Je mehr Kolleginnen und Kollegen wir hinter uns vereinen können umso stärker und gewichtiger wird unsere Stimme in der Zukunft sein. Themen gibt es in jedem Fall mehr als genug. Wie wollen wir unser Arbeitsumfeld in der Zukunft gestalten? Welche Formen der Zusammenarbeit wollen wir in der Zukunft wählen? Welche Strategien haben wir um mit dem zunehmenden Angebot an eMedicine und eHealth umzugehen? Wie reagieren wir auf die Tendenzen in der Politik, die vordergründig unseren Patienten das Blaue vom Himmel versprechen aber gleichzeitig beinhart einsparen wollen?

Aber auch innerhalb der Ärztekammer gibt es einige Fragen und Themen, die gerade wir als junge Ärztinnen und Ärzte aktiv gestalten sollten, anstatt sie von anderen gestalten zu lassen. Ist der Service, den die Kammer bietet zufriedenstellend und auf dem Stand der Technik? Sind wir jungen Ärztinnen und Ärzte in allen wichtigen Gremien der Kammer ausreichend vertreten um auch wirklich gestalten zu können? Ich bin überzeugt, dass wir in den letzten Jahren in einigen Teilbereichen schon Dinge bewegen konnten. Aber mehr geht immer und mit dem starken Team im Rücken können wir in den nächsten Jahren hier sicher noch mehr erreichen.

Schließen möchte ich mit einem Aufruf an alle Kolleginnen und Kollegen in unserem schönen Bundesland: Lasst euch nicht gestalten, gestaltet selbst! Zögert nicht, euch einzubringen! Nutzt die Gelegenheit mit uns in Kontakt zu treten und seid durchaus kritisch aber immer fair in der Auseinandersetzung! Nicht „die Kammer“ braucht euch sondern wir als Kolleginnen und Kollegen brauchen möglichst viel Input, viele Meinungen und nicht zuletzt eure Unterstützung damit es gar nicht die Frage ist, ob die jungen Ärztinnen und Ärzte in Salzburg gehört werden sondern damit wir ein fixer und wichtiger Bestandteil der Ärzteschaft in Salzburg bleiben!

In diesem Sinne: Spielt nicht die Zurückgezogenen!

Dr. Schnöll Bernhard

Ärzte in Ausbildung
Dr. Schnöll Bernhard